Jasper Carls gewinnt die Radjugendtour Oststeiermark nach Sekundenkrimi

Oststeiermark/Schwerin: Großer internationaler Erfolg für den Radsportnachwuchs aus Mecklenburg-Vorpommern: Jasper Carls von der HSG Universität Greifswald hat die 38. Internationale Radjugendtour Oststeiermark gewonnen. Nach fünf Renntagen setzte sich der 16-Jährige im Gesamtklassement mit gerade einmal zwei Sekunden Vorsprung vor David Aicher vom LV Bayern durch. Zusätzlich gewann Carls die Punktewertung und gemeinsam mit dem deutschen Nationalteam außerdem die Mannschaftswertung.

Die Rundfahrt vom 26. bis 30. August gehört zu den bedeutenden internationalen Etappenrennen der U17. 143 Fahrer aus 17 Nationen bestritten einen Prolog und vier anspruchsvolle Etappen durch die hügelige Oststeiermark.

Prolog – 0,313 Sekunden fehlen zum Sieg

Dass Carls um den Gesamtsieg fahren würde, deutete sich bereits am ersten Tag an. Im 3,1 Kilometer langen Prolog rund um die Therme Bad Loipersdorf benötigte er 3:55,707 Minuten (47,5 km/h). Nur der Ungar Olivér Burgermeister war etwas schneller und das gerade einmal um 0,313 Sekunden. Carls startete damit als Gesamtzweiter in die eigentlichen Straßenetappen.

Auch auf der mit 77,2 Kilometern längsten Etappe von Hartberg nach Stubenberg blieb der Greifswalder ganz vorn. In einem gewaltigen Bergaufsprint gewann der Slowake Jakub Záchenský, Carls sprintete erneut auf Rang zwei und bestätigte damit seine Endschnelligkeit.

Rückschlag auf der Königsetappe

Die Königsetappe von Pöllau nach Vorau stellte das Gesamtklassement dann auf den Kopf. Auf 71,2 Kilometern und 1.484 Höhenmetern setzte sich im Finale eine Dreiergruppe mit David Aicher, Otto Göland und dem deutschen Nationalfahrer Louis Bosniatzki entscheidend ab. Aicher gewann die Etappe im Fotofinish und übernahm das Führungstrikot. Bosniatzki lag im Anschluss auf Rang 3 der Gesamtwertung.

Carls erreichte das Ziel in der nächsten Gruppe als Elfter und rutschte im Gesamtklassement bis auf Rang fünf ab. Sein Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Aicher betrug nun 42 Sekunden. Für den Gesamtsieg war damit auf den beiden verbleibenden Etappen eine offensive Fahrweise notwendig.

Angriff in Friedberg bringt Carls zurück ins Rennen

Auf der dritten Etappe von Mönichwald nach Friedberg folgte die entscheidende Antwort. Der 65,7 Kilometer lange Kurs mit fast 1.000 Höhenmetern endete mit drei kurzen, steilen Schlussrunden (80 HM, 8-11%) ein Profil, das Carls entgegenkam.

Bereits auf der ersten Schlussrunde wurde das Tempo massiv erhöht und das Feld weit auseinandergezogen. An der Kuppe fiel die entscheidende Trennung. Carls blieb an der Spitze und setzte die hohe Belastung auch im zweiten Durchgang fort. Záchenský konnte zunächst noch folgen und die Sprintwertung gewinnen, musste sich danach jedoch zurückfallen lassen.

Am Ende konnte nur noch der Österreicher Mathieu Czaika Carls Tempo folgen und mit in die Schlussrunde gehen. Czaika gewann die Etappe, Carls wurde mit nur sieben Sekunden Rückstand Zweiter.

Damit war der Kampf um den Gesamtsieg plötzlich wieder völlig offen: Vor dem letzten Renntag führte Aicher nur noch drei Sekunden vor Carls, Czaika folgte weitere zwei Sekunden dahinter.

Fünf Bonussekunden entscheiden die Rundfahrt

Die Schlussetappe von Weiz nach Birkfeld bot auf 58,8 Kilometern und 973 Höhenmetern noch einmal echtes Klassikerterrain. Für Carls war die Rechnung klar: Bei nur drei Sekunden Rückstand konnten nicht nur Attacken, sondern insbesondere die Zeitbonifikationen bei den Zwischensprints über den Gesamtsieg entscheiden.

Und genau dort fiel die Entscheidung.

Carls sammelte bei den beiden Zwischensprints insgesamt fünf Bonussekunden, während Aicher ohne Zeitgutschrift blieb. Damit verwandelte Carls seinen Drei-Sekunden-Rückstand in eine Zwei-Sekunden-Führung. Auf der schweren Schlussrunde um Bikrfeld musste er anschließend vor allem verhindern, dass Aicher ihm noch einmal Zeit abnahm. Beide kamen schließlich zeitgleich ins Ziel. Die Etappe gewann der Norweger Linus Gregersen Bolstad vor Robin Drujon und Jakub Záchenský.

Nach mehr als fünf Stunden Rennzeit über die gesamte Rundfahrt entschieden damit lediglich zwei Sekunden über den Gesamtsieg.

Vom Bahnvierfachmeister zum internationalen Rundfahrtsieger

Für den Radsportverband Mecklenburg-Vorpommern ist der Erfolg auch deshalb wichtig, weil Carls seine Vielseitigkeit, ein zentrales Entwicklunsziel des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, erneut unter Beweis stellt. Erst im Juli hatte der Fahrer der HSG Universität Greifswald bei den Deutschen Bahnmeisterschaften vier Titel in der U17 gewonnen (Einerverfolgung, Ausscheidungsfahren, Keirin und Punktefahren).

Nun folgt mit dem Sieg bei einer der größten internationalen U17-Rundfahrten Europas ein herausragendes Ergebnis auf der Straße.

 

Der Landesradsportverband Mecklenburg-Vorpommern bedankt sich bei allen Landes- und Vereinstrainer:innen, die solche Leistungen und Erfolge ermöglichen!

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Veröffentlichung

Mo, 31. August 2026

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